15.1.2018 - „Was Gentechnik ist, muss auch als solche bewertet werden!“ BNN-Kommentar zur anstehenden EuGH-Entscheidung zu Genome Editing:

Voraussichtlich am Mittwoch wird der Europäische Gerichtshof (EuGH) seine langerwartete erste Einschätzung zu den neuen gentechnischen Verfahren bekanntgeben. Eine endgültige Entscheidung wird für Mitte 2018 erwartet. Es geht um die Frage, ob das sogenannte Genome Editing – verharmlosend neue Züchtungsmethoden genannt – mit Namen wie CRISPR/Cas9 künftig unter die geltende Gentechnikgesetzgebung der EU fällt.

Denn trotz des offensichtlichen technischen Eingriffs in das Erbgut von Pflanzen und Tieren, versucht die Gentechnik-Industrie seit Jahren, Regulierungs- und Kennzeichnungspflichten für die neuen Verfahren abzuwenden. Die internationale Bio-Branche steht dem geschlossen entgegen: Positionspapier IFOAM international.

Kirsten Arp, verantwortlich beim BNN für den Bereich ökologische Züchtung, kommentiert:

„Die neuen Verfahren zur Manipulation des Erbguts sind, wie vom BNN bereits 2015 ausgeführt, Gentechnik! Darum müssen sie auch dem entsprechenden europäischen Recht und damit den notwendigen Risikobewertungs- und Kennzeichnungspflichten unterliegen. Nur so lassen sich die Wahlfreiheit der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher, die Gentechnik in Lebensmitteln mehrheitlich ablehnen, und Gentechnikfreiheit in der Bio-Branche wirksam aufrechterhalten. Auch gibt es keinerlei technische oder rechtliche Gründe, die dafür sprächen, die neuen Methoden von der geltenden Gentechnikgesetzgebung auszunehmen. Eine amerikanische Redensart besagt: "Was aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist wohl eine Ente." CISPR/Cas9 ist ein gentechnisches Verfahren – da gibt es kein Deuteln. Die Argumentation der Befürworter, der Eingriff ins Erbgut ließe sich nicht nachweisen, ist ohnehin strittig und dient lediglich dem Zweck, Verbraucher in Sicherheit zu wiegen. Technische Eingriffe in die Genstruktur von Pflanzen und Tieren müssen auch weiterhin rechtlich als solche bewertet werden.“

Dass es Alternativen zu konventionellen und gentechnischen Züchtungstechniken gibt, beweist die Bio-Branche durch ihr bereits langjähriges Engagement in der Ökologischen Züchtung. Auf der kommenden BIOFACH widmet sich eine Sonderschau unter dem Motto „Bio von Anfang an“ der Öko-Züchtung von Pflanzen und Tieren. Partner für die inhaltliche Umsetzung der Sonderschau ist bioverita, ein Schweitzer Verein mit europäischem Auftrag zur Förderung biologischer Züchtung. Zudem sind zahlreiche Züchtungsinitiativen, wie die BNN-Fördermitglieder Ökologische Tierzucht gGmbH, Saat:gut e.V. und Kultursaat e.V. involviert sowie acht BNN-Großhandelsunternehmen, die gemeinsam 35.000 Euro beigesteuert haben, um „Bio von Anfang an“ zu unterstützen: Chiemgauer Naturkosthandel GmbH, Rinklin Naturkost GmbH, Kornkraft Naturkost GmbH, C.F. Grell Nachf. Naturkost GmbH & Co. KG, Bodan Großhandel für Naturkost GmbH, Handelskontor Willmann/pax an, BioTropic Gesellschaft zur Erzeugung und zum Vertrieb ökologischer Produkte mbH und Terra Naturkost Handels KG.