20.12.2011 - Bio-Betrugsfall in Italien: Aktuelle Information

Bio-Betrugsfall in Italien: Aktuelle Information des BÖLW

Berlin, 20.12.2011 (11:00 Uhr). Seit am 5. Dezember der Betrugsfall mit gefälschten Zertifikaten in Italien bekannt wurde, recherchieren die Mitglieder des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in engem Austausch die aktuelle Informationslage sowie Risiken für landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen.

Seit letzter Woche wissen wir, dass dank Amtshilfe der Kriminalpolizei den Öko-Kontrollbehörden in Deutschland nunmehr Listen gefälschter Zertifikate und Daten über getätigte Lieferungen für den Zeitraum Juni bis November 2011 vorliegen. Anhand dieser Informationen können die Kontrollbehörden gemeinsam mit den Kontrollstellen Betriebe identifizieren, die umdeklarierte Ware erhalten haben. Sie klären deren Verwendung und die Ware wird - sofern sie noch im Umlauf ist - von der weiteren Verwendung zurückgehalten. Der BÖLW begrüßt, dass - dank der nun vorliegenden Daten - die Aufklärung beschleunigt werden kann.

Der italienische Herstellerverband AssoBio hat genauere Informationen für den Zeitraum zwischen 2007 und 2009 veröffentlicht. Die zuständigen Behörden seien danach umgehend über bekannt gewordene Unregelmäßigkeiten informiert worden. Die Kontrollstellen hätten ihre beiden am Betrugsfall beteiligten Mitarbeiter, sofort nachdem ihre Verwicklung in den Fall bekannt wurde, entlassen. Alle Zertifizierungsstellen arbeiteten bereits seit einem Jahr eng mit der Guardia di Finanza (Polizeibehörde, die direkt dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen untersteht) zusammen und hätten Daten und Dokumente zur Verfügung gestellt, die eine Vertiefung und Erweiterung der Untersuchungen möglich gemacht hätten. Die Ware sei hauptsächlich von Bulgarien und Rumänien importiert worden. Nach neuesten Erkenntnissen wurden laut AssoBio-Geschäftsführer Roberto Pinton von den Beschuldigten in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt ca. 17.000 Tonnen Bio-Ware mit gefälschten Zertifikaten gehandelt. Um ihre Transaktionen zu verschleiern, hätten die Firmen ihre Ware diverse Male untereinander verkauft. Nach diesen Meldungen wäre derzeit davon auszugehen, dass der Betrugsfall nicht das Ausmaß hat, von dem ursprünglich ausgegangen wurde.

Der BÖLW fordert weiter eine schnelle und lückenlose Aufklärung des Falls. Er begrüßt daher, dass auf Drängen der Deutschen Vertreter der Betrugsfall auf die Agenda des SCOF - dem ständigen Ausschuss für Ökolandbau der EU-Kommission - gesetzt wurde, der am 19. und 20.12.2011 in Brüssel tagt.

Neben einer schnellen Aufklärung des aktuellen Betrugsfalles muss analysiert werden, welche Schwachstellen ihn ermöglicht haben und welche Konsequenzen gezogen werden müssen. Es ist anzunehmen, dass es dabei nicht in erster Linie um den Ruf nach noch strengeren Vorschriften geht, sondern darum, dass bestehende Instrumente - wie z.B. die Kommunikationspflicht zwischen Behörden und Kontrollstellen über Ländergrenzen hinweg - europaweit auch konsequent und harmonisiert umgesetzt werden. Ebenso fordern wir, dass die Bescheinigungen für zertifizierte Betriebe in einer europaweiten Datenbank hinterlegt werden. Dieser Betrugsfall zeigt aber auch, wie wichtig auf unternehmerischer und verbandlicher Ebene gute Warenrückverfolgbarkeits- und Qualitätssicherungssysteme sind und wie wichtig es ist, die Lieferanten zu kennen.

Im aktuellen Fall handelt es sich um einen Betrugsdelikt und nicht um gesundheitsgefährdende Waren. Die Firmen sollen teils rumänische, teils italienische Ware mit gefälschten Zertifikaten zu Bio-Ware umdeklariert haben. Die verhafteten Betrüger schädigen nicht nur ihre Handelspartner, sondern bringen möglicherweise eine ganze Branche in Verruf.

Und das völlig zu unrecht. Denn nach einer Analyse des BÖLW machen die Betrugsfälle weniger als 0,5 % des Gesamtumsatzes mit Bio-Produkten in Europa aus, von denen die meisten auch aufgedeckt werden.

Ansprechpartner beim BÖLW: Joyce Moewius, Tel: 030.28482 307, moewius@boelw.de

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Marienstr. 19-20, 10117 Berlin

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