26.3.2014 - Kommentar zur Berichterstattung „Bio-Betrug“ (SPIEGEL Nr. 13/2014)

Das Magazin der SPIEGEL hat in seiner Ausgabe vom 23. März im Zusammenhang mit Bio-Eiern über „Schwindel“ und die „lasche Arbeit der Kontrolleure“ berichtet. Der Artikel „Alles Bio – Oder was?“ fand bundesweit hohe mediale Aufmerksamkeit. Schnell machte das Schlüsselwort Betrug die Runde.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. nimmt dies zum Anlass, um Stellung zu beziehen, aber auch, um die bisherige Berichterstattung kritisch zu würdigen.

Zunächst bleibt festzuhalten: Kern des SPIEGEL-Artikels ist ein Verstoß gegen die EU-Öko-Verordnung wegen zu wenig Auslauf für 12.000 Legehennen aus vier Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern. Dieser Umstand wurde vor einem Jahr entdeckt und Ermittlungen eingeleitet. Am 25. März 2014 berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass die Staatsanwaltschaft Rostock die Ermittlungen wegen möglichen Betrugs bei Bio-Eiern einstellen werde. Kein Betrug also, aber ein Verstoß, der geahndet werden muss.

Der BNN nimmt diese Verstöße sehr ernst. Wir sind der Meinung, dass es in Deutschland ein überwiegend sehr gut funktionierendes Öko-Kontrollsystem gibt, nichts desto trotz gibt es Missstände, auf die die überwachenden Behörden schneller reagieren müssen und Auslegungsspielräume in der Kontroll-Praxis, die bundeseinheitlich verbessert werden müssen. Produzenten und Behörden gleichermaßen sind von diesen Schwierigkeiten betroffen. Die Rahmenbedingungen, die ein Bio-Ei von einem konventionellen Ei unterscheiden, müssen selbstverständlich zwingend eingehalten werden. Und was in der Berichterstattung oft untergeht: diese Unterschiede sind erheblich.

Der Bundesverband bekräftigt seine Forderung vom vergangenen Jahr, dass sowohl bei der staatlichen Überwachung von Tierhaltern durch die Behörden der Bundesländer, bei der freiwilligen Eigenkontrolle einiger konventioneller Hennenhalter als auch bei der Öko-Kontrolle nach EU-Öko-Verordnung eine Verbesserung der Kontrollen herbeigeführt werden muss. Der Bio-Eier-Preiskampf der vergangenen Monate zeigt deutlich: Erzeuger und Verarbeiter, auch im Biobereich, werden von Discountern und Lebensmittelketten massiv unter Druck gesetzt, möglichst billig zu produzieren. Dieser Entwicklung muss entgegengewirkt werden.

Der Naturkostfachhandel führt bevorzugt Bio-Eier von selbständigen bäuerlichen Betrieben in der Region, bei denen eine überschaubare und begrenzte Herdengröße eine gute Betreuung ermöglicht. Oft sind es Mitglieder von Bio-Anbauverbänden wie Gäa, Demeter und Bioland, die noch höhere Anforderungen an ihre Tierhalter stellen als die EU-Öko-Verordnung vorgibt. Naturkost-Großhändler und viele Bio-Einzelhändler stehen im persönlichen Kontakt mit ihren Eier-Lieferanten und besuchen deren Betriebe. Auch Kunden können sich jederzeit die Namen der Lieferanten nennen lassen und sich auf dem Hof persönlich ein Bild machen.

Erhöhte Transparenz von allen Seiten ist ein wichtiges Mittel, um das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken. Leider zählen der Artikel des SPIEGELs und die darauf folgende deutschlandweite Berichterstattung nicht zu den Vertrauen schaffenden Maßnahmen. Die Medienvertreter müssen sich die Frage gefallen lassen, welche Neuigkeit und Aktualität die Berichte enthalten. In knapp vier Wochen ist Ostern. Ob ein Text mit Informationen, die ein Jahr alt sind, es auch zu einem anderen Zeitpunkt in die Printausgabe des SPIEGELs geschafft hätte?