11.4.2016 - Zum Internationalen Ehrentag der Pflanze 2016. Manipuliert und verkauft – Pflanzen als Cashcow

Am Mittwoch, 13. April wird - zumindest in den USA - der International Plant Appreciation Day begangen. Dass es ein globaler Ehrentag für Pflanzen schwer hat, sich durchzusetzen, spricht Bände.

Denn dem Großteil der Gesellschaft scheint noch immer nicht bewusst, wie zentral die Pflege und Bewahrung unsere Ernährungsgrundlagen ist.

„Pflanzen sind in jeglicher Hinsicht elementar: für das Ökosystem des Planeten, aber natürlich auch als Baumaterial oder Grundstoff zur Herstellung von Kleidung. Mit am wichtigsten ist jedoch ihre Rolle als Nahrungsquelle“, betont Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. „Die industrielle Landwirtschaft hat aber nicht nur einfach den Bezug zu ihren Wurzeln verloren. Sie hat ein System befördert, das die Würde und Integrität von Pflanzen verletzt, um Patente und maximale Gewinne zu erlangen.“

Die Besorgnis kommt nicht von Ungefähr. Denn trotz der hohen Ablehnung von Gentechnik in Deutschland und Europa versucht die Gentech-Industrie neue Verfahren auf den Markt zu bringen, die eine rechtliche Einordnung als gentechnische Methoden umgehen. Die bundesdeutsche Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft hat sich klar von diesen gentechnischen Verfahren abgegrenzt und lehnt diese ab. Einschätzungen, wie die von Prof. Urs Niggli vom Forschungsinstitut für den Ökolandbau Schweiz, die neuen Gentechniken würden Potential für den Ökolandbau bergen, werden nicht geteilt. „Die komplexen Herausforderungen im Pflanzenschutz sind nicht durch simple genetische Änderungen zu lösen“, kommentiert Kirsten Arp, Leiterin des BNN-Monitoring. „Fortschrittliche Züchter verfolgen deshalb einen ganzheitlichen Ansatz und setzen auf robuste, polygenetisch gesunde Sorten und deren Weiterentwicklung“, so Arp weiter.

Doch nicht nur die Manipulation der Sorten gibt Anlass zur Sorge. Auch der spätere Umgang mit dem Saatgut und die Erhebung von Lizenzen für Landwirte sind besorgniserregend. So versendete die Saatgut-Treuhandverwaltung unlängst einen Mahnbrief an rund 80.000 Landwirte. Darin werden Lizenzgebühren für den so genannten Nachbau gefordert: Säen und Ernten, von der Ernte etwas aufbewahren, um es im nächsten Jahr wieder auszusäen - dieses uralte Grundprinzip der Landwirtschaft soll nicht mehr uneingeschränkt möglich sein. Pflanzenzüchter verlangen nicht nur einmalige Lizenzgebühren, wenn sie neues Saatgut an die Bauern verkaufen, sondern fordern Gebühren ein, wenn der Landwirt einen Teil seiner Ernte wieder als Saatgut verwendet.

„Saatgut ist Kulturgut“, bekräftigt Elke Röder. „Die Diskussionen um Gentechnik, Patente und Lizenzen sind nur einige Beispiele, die deutlich machen, wie sehr Pflanzen und Sorten geschützt werden müssen – als gesellschaftliches Gemeingut.“