21.4.2016 - Kommentar von BNN-Geschäftsführerin Elke Röder: Unsere Werte nicht kapern lassen!

Seit Langem begegnen uns zu Jahresbeginn sich ähnelnde Überschriften: Öko boomt oder Erneut zweistelliges Bio-Wachstum. Die Branche kann mit sich zufrieden sein – in puncto Entwicklung. Jedoch stehen alle, die sich zum Kreis der Naturkost- und Naturwaren-Bewegung zählen vor Herausforderungen, die größer kaum sein könnten.

Dazu gehört natürlich die Frage, wie wir uns als Branche weiterhin definieren bzw. entwickeln möchten. Wie kann sich der Fachhandel weiter entfalten? Wo sollten wir uns inhaltlich und in der Praxis verbessern? Kurz: wie können wir eine gemeinsame Zukunft gewinnen?

So wichtig diese brancheninterne Arbeit auch ist, so bewusster muss uns allen sein, dass externe Prozesse unsere gemeinsamen Anstrengungen und Erfolge nachhaltig gefährden. Ich denke dabei nicht nur an die drohende Wiederzulassung von Glyphosat, nicht nur an eine Opt out-Regelung, die Schlupflöcher offen lassen könnte und nicht nur an die Revision der Öko-Verordnung, die seit Anfang 2014 wie ein Damokles-Schwert über uns hängt.

Wir nehmen im Bundesverband Naturkost Naturwaren immer stärker wahr, dass Werte von branchenfremder Seite regelrecht gekapert werden. Natürlich muss sich eine Branche, die stets vorangeht, damit abfinden, dass Inhalte kopiert werden. Neu scheint mir, dass – auf scheinbar wissenschaftlicher Basis – alternative Konzepte zu Bio gesucht und angeboten werden, die im tiefsten Kern konventioneller, ja industrieller Herkunft sind. Rückstandsfreie und reine Lebensmittel oder neue gentechnische Züchtungsverfahren, die dem Ökolandbau nützen würden, sind nur einige Beispiele.

Die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, sind also vielfältiger, komplexer und auch globaler geworden. Morgen wird das Agreement der Klimakonferenz von Paris in New York ratifiziert. Am Samstag werden in Hannover – so ist es zu hoffen – zehntausende Menschen Angela Merkel und Barack Obama demonstrieren, was sie von TTIP und CETA halten. Diese Prozesse betreffen uns letztendlich genauso, wie unsere aktuellen Branchenthemen.

Wenn wir auch die großen Leitlinien bestimmen wollen, statt bestimmt zu werden, funktioniert dies nur über Diskussion, Partizipation und Aktion. Hier ist jeder gefragt: Vom inhabergeführten Einzelhandel, der das Schaufenster der Naturkostbranche darstellt, über den Großhandel bis hin zu Herstellern, Importeuren und assoziierten Verbänden.

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