23.09.2022: EU Organic Day: Bio kennt die Antworten auf die aktuellen Krisen

Am 23. September 2021 haben das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und der Rat der Europäischen Union ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den EU Organic Day ins Leben gerufen. Damit würdigten die wichtigsten Institutionen der Europäischen Union die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Europa.   

Diese Würdigung war längst überfällig! Seit Jahrzehnten tragen europäische Bio-Unternehmen aus Erzeugung, Herstellung und Handel durch nachhaltiges Wirtschaften Verantwortung für Klima, Böden, Gewässer und Gesundheit. Viele Bio-Unternehmen haben den 2019 verkündeten „European Green Deal“ schon vorweggenommen, da ressourceneffizientes Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen schon längst in ihrer Unternehmens-DNA verankert wurde.  

Krisenmodus: Ökologisches Wirtschaften wichtiger denn je! 

Anlässlich des zweiten EU Organic Days finden wir uns in keiner schönen Realität wieder: 2022 brachte uns den wärmsten Sommer in Europa seit Aufzeichnung. Trockene Flussbetten und fehlender Niederschlag zeugten von einer der verheerendsten Dürren, die der Kontinent bisher erlebte. Die Zahlen des Statistikamtes der Europäischen Union (EUROSTAT) zur „Nachhaltigen Entwicklung der EU“ zeichnen ein düsteres Bild von schwindender Artenvielfalt und Verschlechterung der Böden. Die großen Krisen unserer Zeit machen keine Pause – dies wurde noch nie so deutlich wie in diesem Jahr.

Dabei hat die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft klare Lösungen im Gepäck:  Weniger Pestizide, weniger chemisch-synthetische Dünger und mehr Maßnahmen für klimaschonende Bewirtschaftung. Der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft muss weiterhin höchste Priorität haben! 

Kein Rollback: Nachhaltigkeit statt Intensivierung!

Die EU hat sich auf einen klaren Fahrplan geeinigt – mehr Ökologie. Dann überfiel Russland die Ukraine. Die Folge: Ukrainische Mais-, Getreide- und Ölsaatenexporte brechen ein. Sanktionen lassen Preise für fossile Energien explodieren. Die nächste Krise erwischt die europäischen Staaten mit voller Wucht.

Droht nun eine Rolle rückwärts?

Einige Lobbyist*innen nutzten die Krise sofort, um die ökologische Transformation in der Europäischen Union generell infrage zu stellen. Mit Angstmacherei und Halbwahrheiten sollen Maßnahmen des „Green Deals“ aufgeweicht werden. Der EU Organic Day sollte uns daher dieses Jahr besonders zu denken geben: Krisen gegeneinander auszuspielen, bringt uns keinen Schritt weiter!

Bio als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Europa aufstellen

Vom Acker bis zum Teller: Bio ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für ganz Europa und zwar auf der gesamten Wertschöpfungskette. Bio ist Triebkraft für regionale Wertschöpfung in ganz Europa und stärkt somit die Regionalentwicklung innerhalb der EU. Denn ökologische Bewirtschaftung schafft regionale Resilienz und minimiert Abhängigkeiten von globalen Lieferketten, wie auch die im März erschienene Studie „Resilienz im Ernährungssystem Köln/Bonn“ der Universität Bonn nachwies.

Ein Beleg: Die Preise für viele Bio-Lebensmittel stiegen in den letzten Monaten nicht so stark wie bei konventionellen Produkten. Das Preisniveau etwa bei Milch und Getreide nähert sich weiter an, wie die Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) zeigen. Das liegt vor allem daran, dass die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft auf energieintensive Vorprodukte wie chemisch-synthetische Pestizide und künstliche Dünger verzichtet.

Regionale Vernetzung zwischen Landwirt*innen und Vertriebsstrukturen geben langfristige  Planungssicherheit für alle Seiten. Kürzere Fahrtwege minimieren außerdem den Kraftstoffverbrauch und sparen CO2-Emissionen ein. Bio-Regionalität lohnt sich also!  

Klares Nein zur Deregulierung von Gentechnik   

Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft sind dringend erforderlich. Aber wer macht gern den Bock zum Gärtner? Die vergangenen Monate haben leider gezeigt, dass die Europäische Kommission auch einigen Heilsversprechen der Agroindustrie auf den Leim geht. Neuerdings sollen neue Gentechnikverfahren die Nachhaltigkeit in der europäischen Landwirtschaft voranbringen. Mit ungewissem Ausgang: Denn die oftmals behaupteten Vorteile für die Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit lassen zu wünschen übrig. Schon wie in den vergangenen Jahrzehnten soll die Gentechnik Krisen lösen, die sie nicht lösen kann. Um die Ernährung zu sichern und unsere Lebensräume zu schützen, reichen keine Eingriffe in das Erbgut von Pflanzen. Wir brauchen einen Systemwechsel!

Verbraucher*innen und Unternehmen müssen geschützt bleiben! Vorsorgeprinzip, Kennzeichnungspflicht und Wahlfreiheit müssen erhalten bleiben! Hier geht es zur Petition: https://www.boelw.de/news/nicht-hinter-unserem-ruecken-kein-freifahrtschein-fuer-neue-gentechnik-in-unserem-essen/