24.11.2016 - BNN-Workshop zu Branchenloyalität. Unsere gemeinsame Vision: „Der Fachhandel wird zur Marke“

Über 50 BNN-Mitglieder aus Herstellung, Groß- und Einzelhandel trafen sich am vergangenen Mittwoch in Kassel zum Workshop „In der Branche Position beziehen“, um am facetten- und konfliktreichen Thema Branchenloyalität zu arbeiten. Auf dem Programm standen neben zwei Vorträgen vor allem Austausch und Diskussion.

In insgesamt sechs Arbeitsgruppen wurde der hohe Stellenwert von exklusiven Produkten im Naturkost-Fachhandel bekräftigt sowie die Frage bearbeitet, wie der Einzelhandel diesem gerecht werden kann bzw. die Hersteller den hohen Stellenwert langfristig sichern können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass künftig dem Point of Sale immer mehr Bedeutung zukommen wird und sich dieser langfristig als wiedererkennbare Marke positionieren müsse. Teil dieser Markenbildung sind die Leistungen und Innovationen der Hersteller, die essentiell für eine solch authentische Marke sind.

„Heute haben die Hersteller, Groß- und Einzelhändler im Bundesverband Naturkost Naturwaren erneut unter Beweis gestellt, wie konstruktiv und auch kontrovers sie an einem so wichtigen Thema wie Branchenloyalität arbeiten können“, resümiert BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. „Wir verstehen unsere Aufgabe als Verband, Impulse in unsere Mitgliedschaft zu geben.“

Den Auftakt des Workshops gestaltete eine Runde aus je zwei Hersteller- und Einzelhandels-vertretern. Gabriele Vennenkötter (Petersilchen GmbH), Volkmar Spielberger (Spielberger Mühle), Tina Andres (EVG Landwege) und Georg Kaiser (Bio Company) wechselten in einem Impulsgespräch kurz die Positionen und schlüpften in die Rolle der jeweils anderen Handelsstufe. Bereits hier zeigte sich, wie viel Kenntnis und Verständnis für das Gegenüber vorhanden sind. Man war sich bewusst, dass Loyalität ein Prinzip der Gegenseitigkeit ist und alle Beteiligten offen für Bewegung, neue Konzepte und Ideen seien müssten. Georg Kaiser wünschte sich für den Workshop einen offenen und ehrlichen Austausch. Man dürfe nicht um den heißen Brei herumreden. Tina Andres warb für Mut zu neuen Ideen. Volkmar Spielberger plädierte für einen Schulterschluss und die Stärkung gewachsener Vertriebspartnerschaften. Gabriele Vennenkötter betonte die zwingende Notwendig-keit, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Eine Trennung von Herstellung und Einzelhandel sei nicht möglich.

Im folgenden Fachvortrag von Dr. Steffen Albicker, Fachanwalt für Arbeitsrecht sowie Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht wurden Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen im Bereich des selektiven Vertriebs juristisch beleuchtet. Der Rechtsexperte regte zu einer tiefgehenden Diskussion und zahlreichen Nachfragen an. Es zeigte sich deutlich, dass das komplexe Thema in der bisherigen Branchendiskussion nur unzureichend angesprochen wurde. Die anwesenden Mitglieder erhielten so nicht nur eine umfassende Einführung, sondern auch Antworten, die sie in ihren jeweiligen Unternehmen anwenden können. Dr. Albicker hielt fest, dass es für selektiven Vertrieb keine Blaupause gibt und unterschiedliche Unternehmen ganz individuelle Lösungswege beschreiten könnten.

In den folgenden drei Stunden waren die Workshop-Teilnehmer aufgerufen, die Rolle von Marken bzw. deren Stellenwert zu definieren. Kernfrage war, wie Einzelhandel und Herstellung diesem hohen Stellenwert gerecht werden können. In der Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse wurde deutlich, dass der Fach-Einzelhandel elementar für die ganze Branche ist. Es käme auf das Zusammenspiel von Produkten, Herstellern, Groß- und Einzelhandel an. Der Point of Sale müsse sich als Marke positionieren und dabei Unterstützung erfahren. Das Erlebbarmachen des umfangreichen Wertekanons sei eine schwierige Aufgabe, mit der man den Einzelhandel nicht alleine lassen dürfe. Für diese systemische Aufgabe benötigten die Beteiligten eine Kooperationsplattform, so die übereinstimmende Einschätzung der Arbeitsgruppen.

Daran anknüpfend wurden in einer Präsentation erste Ideen und Konzepte für eine Profilierung des Facheinzelhandels vorgestellt. Zentrale Bedeutung kommt nach Auffassung der Teilnehmer insbesondere den Sortimentsrichtlinien von BNN und Naturkost Süd zu, die den Naturmarkt deutlich vom Wettbewerb abheben. BNN-Vorstand Sabine Schritt formulierte es als Vision: „Unsere Mitarbeiter, unsere Kooperationsbereitschaft und unsere selbstentwickelten Richtlinien bieten eine hervorragende Basis, um langfristig eine Marke zu bilden, die uns als Fachbranche und Wertegemeinschaft verbindet.“

Elke Röder schloss die Veranstaltung mit einem großen Dank für Engagement und Input der Workshop-Teilnehmer und gab bereits einen Ausblick auf die Kuratoriumssitzung des Verbandes, die am folgenden Tag ebenfalls in Kassel stattfand. Die Ergebnisse des Tages wurden dort bearbeitet und bewertet sowie kommende Schritte festgelegt. Dazu gehört unter anderem ein Angebot an den Facheinzelhandel, sich aktiv in die angestrebte Markenbildung einzubringen.

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