27.06.2022: Generationenvertrag, Nachhaltigkeitsrichtlinie und Jugendorganisation: BNN-Mitgliederversammlung 2022 stellt Weichen für die Zukunft der Bio-Wirtschaft

Am 23. und 24. Juni 2022 begrüßte der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. seine Mitglieder zur digitalen Mitgliederversammlung des Verbandes. Die Bio-Unternehmen aus den Bereichen Herstellung sowie Groß- und Einzelhandel stellten mit ambitionierten Beschlüssen zu den Ergebnissen des BNN-Transformationsprozesses die Weichen für die Zukunft von Verband und Branche.

Die Arbeitsgruppen des BNN-Transformationsprozesses hatten seit Juni 2021 in den Themenfeldern „Zukunftstransformation – Alternativ wirtschaften“, „Nachhaltigkeit“, „Politik“ sowie „Non-Food“ und „Kultur- und Organisationsentwicklung“ gearbeitet. Ziel aller Arbeitsgruppen: Den Verband und die Branche mit mutigen Impulsen in die Zukunft entwickeln.

Aus der Vorstellung der Arbeitsergebnisse folgten Beschlüsse, die in mehrfacher Hinsicht die Weichen für die Zukunft von Verband und Branche stellen:

  • Aus „Viva-Attacke“ wird „Viva-BNN“: Die bisherigen Ergebnisse des Transformationsprozesses („Viva-Attacke“) werden als permanenter Erneuerungsimpuls in die laufende Verbandsarbeit integriert.
  • Generationennachfolge aktiv im Verband leben: Der BNN entwickelt unter seinem Dach eine eigene Junior*innen-Plattform (Arbeitstitel: Junger BNN), die jeweils eigene Sitze in den Gremien des Verbandes erhält.
  • Beyond Bio: Bio muss noch stärker mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz zusammengehen, um zukunftsfähig zu sein. Der BNN entwickelt eine Nachhaltigkeits-Leitlinie für seine Mitglieder und die Bio-Wirtschaft.
  • Heute tun, was morgen noch richtig ist: Wer Transformation will, muss das aktuelle Wirtschaften auf seine Zukunftsfähigkeit hin hinterfragen. Mit dem Generationenvertrag richtet sich der BNN auf seine Verantwortung gegenüber kommenden Generationen aus.
  • Starkes Netzwerk, starker Verband: Der BNN entwickelt, ausgehend von den positiven Erfahrungen im Transformationsprozess und während der Corona-Zeit neue digitale Formate und Strukturen für transparente Meinungsbildungsprozesse und Vernetzung im Verband.

Verband und Branche in die Zukunft denken

Die diesjährige Mitgliederversammlung des BNN fand in einer außergewöhnlichen Situation statt: Steigende Energie- und Verpackungspreise erhöhen die Kosten für Herstellung und Handel. Parallel führt die steigende Inflation zu rückläufigen Umsätzen im Lebensmitteleinzelhandel, die auch der Bio-Fachhandel deutlich spürt. Und währenddessen macht die Klimakrise keine Pause, sondern zeigt mit den jüngsten Hitzewellen und Waldbränden ihre täglich wachsende Dringlichkeit.

„Die Welt steht Kopf zwischen Klimakrise und Ukraine-Krieg. In dieser komplexen Situation hat Bio die richtigen Antworten, wenn es um Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Resilienz und Versorgungssicherheit in der Lebensmittelwirtschaft und der Versorgung mit Alltagsgütern geht. Wir begreifen die aktuellen und kommenden Krisen deshalb als Chancen, die richtigen Impulse für die Zukunftsfähigkeit der Bio-Wirtschaft zu setzen. Die Beschlüsse unserer Mitgliederversammlung geben nicht nur uns als Verband, sondern auch den Unternehmen der Bio-Wirtschaft eine klare Richtung: Wir setzen uns für eine konsequente, zukunftsfähige, an Nachhaltigkeit und Ökologie ausgerichtete Transformation der Lebensmittelwirtschaft ein“, so BNN-Geschäftsführerin Kathrin Jäckel.

Krisen sind immer auch Chancen für die Verbandsarbeit: „Die Kritik der Mitglieder an ihrem Verband schwelte schon mehrere Jahre, als wir 2020 den Impuls aufgenommen und einen Prozess gestartet haben, um den BNN und die Branche wieder zukunftsfähig zu machen. Wir brauchen leistungsfähige Strukturen im Verband und ein starkes Netzwerk in der Branche, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern“, so die wiedergewählte BNN-Vorstandsvorsitzende Rosi Weber. „Dass die BNN-Mitglieder das ebenso sehen, zeigen uns die über 70 Mitarbeitenden aus mehr als 40 Mitgliedsunternehmen, die sich Monat für Monat und Woche für Woche aktiv daran beteiligt haben. Für dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement ist der Vorstand sehr dankbar, denn ein Verband ist nun einmal nur so stark, wie seine Mitglieder“, fügt Rosi Weber hinzu. 

Berichte der BNN-Gremien

In den Berichten von Vorstand und Kuratorium würdigten die beiden Gremien die Arbeit der BNN-Mitglieder am Erneuerungsprozess des BNN sowie die konstruktive und effiziente Zusammenarbeit der Gremien sowohl untereinander als auch zusammen mit der Geschäftsstelle des BNN. Die Vorstandsvorsitzende Rosi Weber (Biogarten Handels GmbH) hob in ihrem Bericht insbesondere die politische Arbeit des Verbandes im Zusammenhang mit dem Planet-Score hervor und die damit verbundene Etablierung des BNN als relevantem politischen Akteur.

Nach Vorstellung der Finanzen des Verbandes und dem Bericht der Rechnungsprüferinnen Franziska Geyer (Ökotopia GmbH) und Daniela Feldt (Bio Company GmbH), wurden die Gremien und die Geschäftsführung einstimmig durch die Mitgliederversammlung entlastet. 

BNN-Gremienwahlen

Rosi Weber (Biogarten Handels GmbH), Friedemann Vogt (Schrozberger Milchbauern) und Gerhard Bickel (ebl-naturkost GmbH & Co. KG) wurden nach Ablauf ihrer zweijährigen Amtszeit in ihrer Vorstandsarbeit bestätigt und jeweils mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt.

Bei der Wahl des Kuratoriums wurde Matthias Beuger (Veggie Specials), der das erste Mal für ein Amt im BNN kandidierte, mit absoluter Mehrheit neu ins Kuratorium gewählt und bekleidet damit einen von zwei zur Wahl stehenden Positionen der Säule Handel. Michael Radau (SuperBioMarkt AG), der im letzten Jahr im Kuratorium bestätigt worden war, ist im Mai als Vorsitzender und Mitglied des Kuratoriums im BNN zurückgetreten. Er dankte in einer persönlichen Notiz seinen Kolleg*innen im Kuratorium für die Zusammenarbeit und gab persönliche Gründe für die Niederlegung seines Amtes an. Das Kuratorium dankte Michael Radau herzlich für die kollegiale und gute Zusammenarbeit im gemeinsamen Ehrenamt. Erneut im Kuratorium bestätigt wurden mit absoluter bzw. überwältigender Mehrheit Judith Faller-Moog (Ölmühle Moog GmbH) und Malte Reupert (Biomare GmbH).