30.9.2014 – Es geht nur mit, nicht gegen die Natur. Studienvorstellung zur Resistenzentwicklung bestätigt Perspektivlosigkeit des Herbizideinsatzes in der industriellen Landwirtschaft.

Freitag wurde in Berlin die Studie „SUPERWEEDS – Resistente Unkräuter bedrohen die Ernte! Das Prinzip industrielle Landwirtschaft in der Sackgasse“ vorgestellt: Explodierende Kosten für Landwirte bei sinkendem Ertrag und steigenden Gewinnen für die Gentech-Industrie. Diese sieht die „Lösung“ in neuen „Herbizid-Cocktails“ und Gentech-Pflanzen. „Jede Vernunft spricht dagegen!“ meint der Grüne Martin Häusling (MdEP).

Am 26. September lud der agrarpolitische Sprecher der Europäischen Grünen (EFA) Martin Häusling zur Vorstellung der Studie in die Hessische Landesvertretung in Berlin ein. Referent war der Autor der Studie Dr. Christoph Then vom unabhängigen Forschungsinstitut testbiotech.

Die Ergebnisse, die Then präsentierte, sind alarmierend: Jahrelanger Herbizideinsatz habe zu Resistenzen bei Unkräutern geführt. Als Reaktion habe die Industrie Gentech-Pflanzen entwickelt, mit dem Ziel, dass Herbizide, insbesondere Glyphosat (besser bekannt als Roundup), in noch höherem Umfang eingesetzt wurden. Mittlerweile seien in den USA bereits die Hälfte aller US-Landwirtschaftsbetriebe von dem Problem glyphosat-resistenter Unkräuter betroffen. 13 resistente Pflanzenarten und 432 unterschiedliche Resistenz-Typen (davon 145 in den USA) habe man mittlerweile erfasst (Quelle: weedscience.org). Die Folgeprobleme sind höhere Kosten durch mehr Herbizide, Treibstoff sowie Arbeitszeit und können, wie Häusling warnt, „weltweit erhebliche Auswirkungen auf die Preise für Lebensmittel und andere agrarische Produkte haben“.

Die Industrie sieht die Lösung in der Kombination verschiedener Herbizide sowie in der Entwicklung von ausgefeilteren Gentech-Pflanzen. So sei zum Beispiel SMARTSTAX+, eine aus fünf Gensorten entwickelte Maissorte, gegen vier Herbizide zugleich resistent und produziere nebenher sechs verschiedene Insektengifte. „Das ist dann in etwa so als ob man Feuer mit Öl löschen wollte“ erklärt Dr. Christoph Then von testbiotech. Zudem habe die Industrie seit über 30 Jahren keine neue Wirkgruppe gefunden, die die bisherigen Herbizide ersetzen könnten. Das System befinde sich eindeutig in einer Sackgasse.

„Die Studie, die testbiotech nun veröffentlicht hat, bestätigt erneut, dass immer mehr Pestizide und immer neue Gentech-Pflanzen keine Perspektiven bieten“, meint Karin Wegner aus der Qualitätsabteilung des BNN. „Es geht nur mit der Natur, nicht gegen sie“.