4.11.2014 - „Pflanzengift im Baby-Tee“. ZDF WISO schürt Bio-Ängste bei Verbrauchern

Das ZDF-Magazin WISO hat in seiner gestrigen Sendung (19:25 Uhr) zu Pflanzengiften in Babytees berichtet. Im Fokus standen die so genannten Pyrrolizidinalkaloide (PA), die durch versehentliches Miternten von Beikräutern in das Produkt gelangen können. In vier von dreizehn Bio-Produkten wurden PA nachgewiesen.

Im Sommer 2013 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstmals auf diese Thematik hingewiesen, woraufhin Tee-Hersteller Minimierungsmaßnahmen einleiteten.

Der BNN hält die redaktionelle Behandlung des Themas PA in Tee für durchaus legitim, weist aber die gezogenen Schlüsse und die Art der Berichterstattung deutlich zurück. Nicht bedacht hat die WISO-Redaktion unter anderem, dass die Verteilung der PA-Gehalte in den Chargen stark variiert; hohe Gehalte kommen nur punktuell vor.

„Bereits etwa fünf PA-bildende Beikräuter pro 50.000 bis 60.000 Nutzpflanzen auf einem Hektar Anbaufläche reichen aus, um nachweisbare Gehalte im Erntegut zu erzeugen“, heißt es von Seiten des Deutschen Teeverbandes. Somit ist nahezu auszuschließen, dass in jeder Packung einer Charge auch der gleiche PA-Gehalt gemessen werden kann. Eine Hochrechnung zum Teekonsum von Kindern und Erwachsenen, wie es ZDF WISO durchexerziert, ist folglich unseriös.

Dies bestätigt auch PA-Experte Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Stenzel, Sachverständiger für Lebensmittel: „Eine Endproduktkontrolle, wie in diesem Fall, lässt keine tatsächlichen Schlüsse über die durchschnittliche Belastung des Tees zu. Nur eine durchgehende Qualitätskontrolle am Produktionsverlauf – quasi vom Feld bis in die Tasse – lässt ernsthafte Aussagen zu. Ein akutes Risiko durch PA für Erwachsene in Tee ist nicht gegeben. Eine Lösung ist nichts desto trotz notwendig: Für Säuglings- und Kleinkindernahrung sowie bei Schwangeren müssen die Tee-Erzeuger weiter an ihren Minimierungsmaßnahmen arbeiten, um eine deutliche Reduzierung anzustreben.“

„Die Argumentation der WISO-Redaktion ist äußerst dürftig. Beispielsweise werden in der aktuellen Ausgabe der ÖKOTEST Kräutertees auf PA getestet, bei denen alle Bio-Tees hervorragend abgeschnitten haben. Lediglich in konventionellen Produkten wurden deutliche PA-Nachweise gefunden. Ein paar Tage nach Erscheinen eines solchen Testergebnisses die Angst vor Bio schüren zu wollen, ist schon ein starkes Stück“, so Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN. „Wir wollen aber nicht missverstanden werden“, führt sie weiter aus. „Es ist absolut notwendig, an dem Thema dran zu bleiben und durch immer bessere Maßnahmen die Qualität zu sichern. Dies aber bitte seriös und ohne die Verbraucher zu verunsichern.“

Auf der Website von ZDF WISO werden die PA-Nachweise in Bio-Tee mit folgendem Satz begründet: „Ohne Einsatz von Pestiziden gedeiht eben auch Schadstoff haltiges Unkraut besser.“ Den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide in einem Verbrauchermagazin als Nachteil aufzuführen, lässt ebenfalls an der Objektivität einer solchen Berichterstattung zweifeln.