4.6.2015 - Ein Wind der Abschottung weht durch Europa. Geplante Importregelung für Bio bedroht Produktvielfalt

Frühstückstisch ohne Importwaren

Auf Einladung der lettischen Ratspräsidentschaft haben sich am Dienstag die EU-Agrarminister zu einem informellen Treffen in Riga getroffen. Ein Kernpunkt der dortigen Diskussionen war die EU-Öko-Verordnung, die festlegt, welche Lebensmittel bio sind und welche nicht.

Bereits vor über einem Jahr hat die zuständige Kommission einen Revisionsvorschlag eingereicht, der so umstritten ist, dass die Agrarminister und das Europäische Parlament noch immer um die Inhalte ringen.

Zahlreiche Gefahren für die in- und ausländische Bio-Branche lassen sich aus der Revision ableiten. Nach augenblicklichem Stand wird es nun für Bio-Produzenten heikel, die nicht in der Europäischen Union beheimatet sind. Aus informellen Kreisen sickerte die Information durch, dass sich alle Nicht-EU-Staaten, die Bio-Lebensmittel produzieren und in die EU importieren möchten, der so genannten Compliance- also Konformitätsregelung unterwerfen müssen.

Diese sieht vor, dass nicht nur die EU-Öko-Verordnung ausnahmslos und ohne jegliche Anpassung an klimatische, sozioökonomische und administrative Gegebenheiten gilt, sondern auch die kontrollierenden Behörden nach Vorbild der europäischen Instanzen aufgebaut werden müssen.

„Was dort geplant wird, lässt jeden Realitätsbezug vermissen“, sagt Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. „Nicht umsonst gibt es schließlich geltende Äquivalenzstandards für Landwirte, die in anderen Klimazonen Bio produzieren. Diese ordnen unter anderem den Umgang mit Wasser oder passen die Vorschriften für andere Klimazonen und insbesondere tropische Kulturen an, da es in der EU beispielsweise keinen Kakao- oder Kaffeeanbau gibt. Wenn solche Staaten nun gezwungen werden, nach europäischer Blaupause herzustellen, könnte die Folge das Verschwinden zahlreicher Produkte auf dem EU-Markt und damit auf unseren Esstischen sein. Aus Riga weht ein Wind der Abschottung durch ganz Europa.“

Bereits am morgigen Freitag trifft sich ein weiteres Gremium der EU, das Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed, um über die Importregelungen zu beraten. Es steht zu befürchten, dass auf der nächsten Sitzung der EU-Agrarminister am 16. Juni in Luxemburg die teilnehmenden Minister für die Konformitätsregelung votieren. Ein kolossaler Rückschritt für die Bio-Branche.

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BU: Geplante Importregelung für Bio: Nicht nur Rohstoffe könnten knapp werden, sondern auch der heimische Frühstückstisch deutlich eintöniger.

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