7.1.2015 -Kommentar des BNN zum Fall kontaminierter Futtermittel. Kein Versagen des Bio-Systems

Der Fall von mit Pestiziden belastetem Sonnenblumenkuchen aus der Ukraine beschäftigt derzeit Medien, Politik und Branche.

Bisher wurde für betroffene landwirtschaftliche Betriebe ein befristetes Bio-Vermarktungsverbot ausgesprochen.
Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. bedauert, dass eine belastete Futtermittelkomponente in Umlauf geraten ist, begrüßt, dass die Öko-Kontrollstellen/-behörden den Vorgang aufgedeckt haben und fordert eine umfassende Aufklärung der Hintergründe.

Unabhängig von den Ergebnissen dieser Aufklärung stellt der BNN folgendes fest:

  • Es handelt sich bei dem beschriebenen Fall nicht um ein Versagen des Bio-Kontroll-Systems. Futtermittel – auch in Bio-Qualität – unterliegen der allgemeinen Futtermittelkontrolle, wenn es um die Absicherung der allgemeinen Verkehrsfähigkeit geht. Diese war bei mindestens einer Lieferung nicht gegeben. Der Sonnenblumenkuchen hätte auch konventionell nicht vermarktet werden dürfen und wäre ohne die zusätzliche Öko-Kontrolle nicht entdeckt worden.
  • Die betroffenen Produkte/Tiere haben ihren Bio-Status verloren, weil das verwendete Futtermittel nicht Bio-konform war. Auch wenn die Aberkennung des Bio-Status damit konsequent erfolgt ist, bleibt festzuhalten: In den Produkten konnten keinerlei Spuren von Pestiziden festgestellt werden. Die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe haben nach ökologischen Standards produziert und tragen nun trotzdem die wirtschaftlichen Konsequenzen.

Von einer „Entzauberung des ökologischen Landbaus“, wie ihn Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus zu erkennen glaubt, kann keine Rede sein. Vielmehr geht es nun darum, Ursachen zu beseitigen und im Falle eines Straftatbestandes, diesen konsequent zu ahnden.

Grundsätzlich gilt, dass Unternehmen, Kontrollstellen, Behörden und ggf. Gesetzgeber Konsequenzen aus dem Vorkommnis ziehen müssen. Aus Sicht des BNN ist es vordringlich, den europäischen Datenaustausch zu beschleunigen, um beim Auftreten von nicht öko-konformen Partien schneller reagieren zu können.

Zeigt sich bei der Ursachenrecherche, dass kriminelle Energie im Spiel war, dann ist die wirksamste Prävention, Informationen schneller fließen zu lassen, um eine zeitnahe und gezielte Strafverfolgung möglich zu machen. Diese Maßnahmen müssen gründlich umgesetzt werden. Eine Diskreditierung des Ökolandbaus und der Bio-Branche ist weder korrekt noch zielführend.