Forderungen des BNN zum Sondergutachten 84 der Monopolkommission: Bio-Mittelstand schützen!

25. November 2025 Aktuelles Stellungnahme

Die Monopolkommission warnt vor extremer Marktmacht im LEH: Vier Konzerne kontrollieren über 85 % des Marktes und erhöhen den Druck auf kleinere Betriebe. Besonders betroffen: die Bio-Wertschöpfungskette. Der BNN fordert klaren Mittelstands- und Bioschutz.

Die Monopolkommission stellt in ihrem Sondergutachten ausgeprägte Machtasymmetrien in der Lebensmittellieferkette fest. Die vier großen Handelskonzerne - Edeka, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Rewe und Aldi - haben ihren Marktanteil auf inzwischen über 85 % ausgebaut. Als negative Folgen ihrer Verhandlungsdominanz nennt die Kommission: steigende Preisaufschläge bei den großen LEH-Konzernen, missbräuchliche Handelspraktiken und den Angstfaktor auf Seiten abhängiger Lieferant*innen.

Aus Sicht des BNN führt diese Asymmetrie nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei mittelständischen und kleinen Unternehmen der Lieferkette zu erheblichen wirtschaftlichen Risiken. Konkret heißt das: Die Großen diktieren die Konditionen und reichen den Preisdruck nach unten weiter. Kleinere Akteur*innen sind ihrer Macht ausgeliefert. Wird der Margendruck von den großen LEH-Konzernen nach unten weitergegeben, werden damit auch Risiken und Kosten unfair abgewälzt.

Konzentrationsprozesse erhöhen Druck auf Bio-Wertschöpfungskette

 

Die Bio-Wertschöpfungskette ist stark mittelständisch geprägt und beruht wesentlich auf kleineren Betrieben und Manufakturen, die von dieser Entwicklung aus Sicht des BNN besonders bedroht sind. Denn: Bio-Unternehmen haben per se höhere Anforderungen an Reinheit, Transparenz und faire Lieferbeziehungen – und gehen deshalb in ihren Prozessen deutlich stärker in Vorleistung. 

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Lebensmittelhandwerksbetriebe in Deutschland um 40 Prozent zurückgegangen. Expert*innen sind sich einig, dass ein solcher Strukturwandel im Grunde nicht umkehrbar ist. Damit gefährdet der vom Gutachten der Monopolkommission beschriebene Konzentrationsprozess klar regionale Wertschöpfung, nachhaltiges Unternehmertum, handwerkliche Kompetenz, Arbeitsplätze – und perspektivisch die Versorgungssicherheit.

Die Bio-Branche braucht besonderen Schutz vor dem Missbrauch von Marktmacht: Das einseitige Margenwachstum des konventionellen LEH ist mit handwerklicher Bio-Qualität und fairen Erzeugerpreisen nicht vereinbar. Eine funktionierende Bio-Wirtschaft braucht, dass Wertschöpfung fair verteilt wird.

Der BNN unterstützt daher die Forderung der Monopolkommission, Fusionen von LEH-Konzernen gezielter nach deren Auswirken auf die gesamte Lieferkette zu prüfen – und fordert zusätzlich dazu auf, mittelständische und nachhaltige Strukturen besonders zu schützen:

  • Vielfalt und Mittelstandsschutz: Begrenzen der einseitigen Verhandlungsmacht, die den Mittelstand und kleinere Betriebe in Verarbeitung und Handel schwächt.
  • Stopp irreversibler Strukturverluste: fairer Marktzugang und Schutz vor marktverzerrender Verdrängung für kleine und mittelständische Betriebe des Bio-Lebensmittelhandwerks und des Bio-Fachhandels.
  • Besonderer Schutz von Bio: Bio-Unternehmen tragen überproportional zu Umwelt- und Gemeinwohlzielen bei. Sie müssen angesichts höherer Qualitätsanforderungen, Vorleistungen und Investitionslasten besonders geschützt werden.

Die BNN-Mitgliedsunternehmen stehen für 100% Bio – und damit für eine ressourcenschonende und verantwortungsvolle Wirtschaftsweise. Der BNN setzt sich für den Erhalt einer vielfältigen Lebensmittelwirtschaft und faire politische Rahmenbedingungen für Bio-Hersteller*innen sowie Bio-Groß- und -Einzelhändler*innen ein.

Hier geht es zum Sondergutachten 84 der Monopolkommission „Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“ vom 21. November 2025. (287 Seiten).