20. März 2026 • Pressemitteilung • Gesetzgebung, Richtlinien & Empfehlungen • Stellungnahme

EU-Kompromiss zu Veggie-Bezeichnungen: Hintergründe, Auswirkungen und Einordnung für Bio-Unternehmen und pflanzliche Alternativen.
Die Diskussion um die Bezeichnung pflanzlicher Alternativprodukte hat auf EU-Ebene zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen. Im Trilog zur Reform der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) wurde intensiv darüber verhandelt, in welchem Umfang Begriffe aus dem Fleischbereich künftig für pflanzliche Produkte verwendet werden dürfen.
Zwischenzeitlich standen auch weitreichende Einschränkungen im Raum, etwa ein Verbot aller Bezeichnungen, die für Fleischprodukte verwendet werden, auch in Anlehnungen mit „Typ…“, „Art…“. Begründet wurde dies mit dem Argument eines möglichen Verbraucherschutzes.
Aus Sicht der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild:
Im Biofachhandel greifen Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt zu pflanzlichen Alternativen und wissen sehr genau, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt. Begriffe wie „Burger“ oder „Wurst“ dienen dabei vor allem der Orientierung und Beschreibung von Produkteigenschaften.
Der Trilog ist zu folgendem Kompromiss gekommen: Bestimmte Begriffe wie „Burger“ oder „Wurst“ sollen weiterhin verwendet werden dürfen, während andere klassische Fleischbezeichnungen künftig verboten werden.
Damit wurden weitergehende Verbotsvorschläge, die auch im Markt etablierte Bezeichnungen betroffen hätten, zunächst nicht umgesetzt.
Die Diskussion ist für die Bio-Branche von hoher Relevanz. Pflanzliche Alternativprodukte sind ein bedeutender und weiterhin wachsender Bestandteil des Sortiments im Naturkostfachhandel und stehen für Innovation und regionale Wertschöpfung, insbesondere in mittelständisch geprägten Strukturen.
Viele Bio-Unternehmen entwickeln und produzieren alternative Proteinprodukte und pflanzliche Fleischalternativen. Für diese Unternehmen sind verständliche und etablierte Bezeichnungen ein wichtiger Bestandteil der Marktkommunikation sowie eine wichtige Orientierung für Verbraucherinnen.
Einschränkungen bei der Verwendung solcher Begriffe können daher direkte Auswirkungen auf:
Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat sich frühzeitig in die politische Debatte eingebracht und auf die möglichen Folgen weitreichender Verbote hingewiesen.
In der jüngsten Stellungnahme betont der BNN insbesondere:
Gerade vor dem Hintergrund der Transformation des Ernährungssystems ist es aus Sicht des BNN wichtig, innovationsfreundliche und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Die Debatte zeigt, dass regulatorische Entscheidungen im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung erhebliche Auswirkungen auf Marktstrukturen und Innovationsprozesse haben können.
Für die Bio-Branche bleibt entscheidend, dass politische Maßnahmen sachgerecht, verhältnismäßig und auf Grundlage belastbarer Analysen zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft getroffen werden.
Die vollständige jüngste Stellungnahme des BNN zum Thema „Verbot von (Fleisch-)Bezeichnungen für vegane und vegetarische Alternativprodukte“ finden Sie hier.