Gekommen, um zu bleiben – Der bioladen Regenbogen

Für gewöhnlich ist ein Regenbogen ein kurzweiliges Phänomen, gebildet in der Atmosphäre durch die besondere Art in der Regentropfen das Licht brechen. Im sauerländischen Arnsberg jedoch prägt ein Regenbogen bereits seit 30 Jahren das Stadtbild. Genaugenommen in Alt-Arnsberg. Und seine Geschichte reflektiert auf eindrucksvolle Weise, die ganzheitlich angelegten Nachhaltigkeitsbestrebungen der Naturkost- und Biobranche. Und am bioladen Regenbogen zeigt sich, dass man gekommen ist, um zu bleiben.

Bioladen RegenbogenThomas Wälter gehört seit dem ersten Tag, dem 30. April 1988, zu dem von Helmut Bolle gegründeten Bioladen. Auf 65 m2 eröffneten sie unter denkbar ungünstigen Bedingungen. Wegen einer Großbaustelle lagen die Türen zunächst hinter Bauzäunen. Das Angebot war klein, einen gesetzlichen Standard gab es nicht und ein Großteil der Gesellschaft beäugte den „Müsliladen“ kritisch. „Viel Vertrauens- und Überzeugungsarbeit war notwendig“, erinnert sich Wälter. Im Grunde sei es „natürlich schön gewesen, dass man sagen konnte ‚das Gemüse kommt vom Christian‘ oder ‚der und der Käse kommt von der Ute‘ oder so ähnlich“, doch galt es, das Vertrauen an die potentielle Kundschaft weiterzuvermitteln.

Die wichtigste Voraussetzung hierfür brachte Thomas Wälter mit –persönliche Überzeugung. Aus der Umwelt- und Tierschutzbewegung stammend, waren es insbesondere Herstellungsprozesse und Massentierhaltung, die den gelernten EDVler zur Naturkost brachten. Die zweite große Motivation bestand für Wälter, der den Bioladen 1993 als alleiniger Inhaber übernahm, in den weitestgehend fairen Handelsstrukturen, um die sich die Bio-Akteure bemühten. Über den Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V., dem man seit seiner Gründung angehörte, arbeitete man auf Augenhöhe an der gemeinsamen Interessenvertretung. Und auch im Team des bioladen Regenbogen hält er diesen bewussten Umgang auf Augenhöhe aufrecht.

Heute arbeiten zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, alle sozialversicherungspflichtig angestellt, in dem hellen und auf 299 m2 vergrößerten Bio-Supermarkt. Der Rahmen, sowohl der gesamten Branche, als auch des bioladen Regenbogen hat sich erweitert. Doch bringen frische und motivierte Köpfe auch frische Ideen, gewissermaßen eine stetige Verjüngungskur für bleibende Werte. Neben dem Inhaber gibt es Marius Hoffmann, den jungen Marktleiter, neun teils spezialisierte Verkäufer/-innen sowie einen Auszubildenden. „Wenn es auch schwer fällt, ist es wichtig, zu lernen, Verantwortung abzugeben“, erläutert Thomas Wälter. Er selbst hat sich aus dem operativen Geschäft zum Teil zurückgezogen.

Waage für KundenEine Vorbereitung auf die Zeit des Ruhestandes lässt sich daraus jedoch keineswegs ableiten. Denn Wälter selbst scheint, wie der Arnsberger Regenbogen, gekommen zu sein, um zu bleiben. Und so begann er, seine nachhaltigen Überzeugungen auf weitere Projekte auszudehnen. Seit 1999 entwickelte Wälter einen Onlineshop, mit dem er den Bereich der Naturwaren stärker in den Fokus nahm. Zunächst spezialisiert auf Getreidemühlen (www.getreidemuehlen.de), folgte 2004 ein Relaunch. Seither umfasst das thematische Konzept den gesamten Zubehörbereich für Vollwertkost. Es gibt Dörrgeräte, Entsafter und Windmühlenmesser, Reiben, Getreide und Bücher. 2007 kam ein weiterer Online-Shop (www.auro-online.de) für ökologische Farben der Marke Auro hinzu.

In Wälters Abwesenheit leitet in den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten des bioladen Regenbogen Marius Hoffmann die Geschicke. Hinter den gläsernen Türen gelangt man zunächst in eine weiträumig geschwungene Frischeabteilung, hinter der sich der Bereich für Naturkosmetik verbirgt. Die Käsetheke sei die größte der Stadt, bemerkt Hoffmann nicht ohne Stolz. Der großgewachsene Endzwanziger füllt die Rolle eines Marktleiters zurückhaltend, aber mit Überblick aus. Während er, nicht ohne zuvor Kaffee und einen Imbiss angeboten zu haben, von seiner persönlichen Geschichte erzählt, bleibt niemand unberaten oder übersehen. „Der Stammkundenanteil dürfte über 90% betragen“, schätzen Hoffmann und Wälter. Die Kundschaft verhält sich, wie der Ladeninhaber selbst – die meisten, die kommen, bleiben.