Gemeinsam Landwege beschreiten

Es war das Jahr 1988, als sich Bauern und Verbraucher in und um Lübeck zusammenschlossen und die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft (EVG) Landwege EG gründeten. Die Idee: Hochwertige, nachhaltige Lebensmittel für die Region aus der Region. Sie legten somit die Grundlage für eine Entwicklung, die das moderne Bedürfnis nach Regionalität, von Beginn an als Kernidee verfolgt und ein Biokonzept ermöglicht hat, dass Erzeuger Händler und Kundschaft zu einer echten Gemeinschaft werden lässt. 

Alles begann als kleine Food-Coop. „Bauern, Hersteller und Verbraucher aus der Umgebung pflegten bereits früh enge Kontakte“, erinnert sich Klaus Lorenzen, der seit 1993 dabei ist, „und aus einer Garage wurde eine Doppelgarage und schließlich kam der erste freie Verkaufstag“. Die Umstellung mehrerer Höfe im Lübecker Umland habe damals, ebenso wie die Bildungsarbeit des Landwege e.V. wichtige Impulse gegeben. Zwei Aspekte, die sich neben dem Kernanliegen „gelebter Regionalität“, stetig mit entwickelt haben.

Gelebte RegionalitätHeute bildet Klaus Lorenzen zusammen mit Tina Andres den geschäftsführenden Vorstand. Während Klaus aus bäuerlichem Elternhaus stammt, Landwirtschaft studiert und den Wandel hin zur Intensivlandwirtschaft hautnah miterlebt hat, ist Tina Andres studierte Biologin, deren Weg über mehrere Engagements als Bildungsreferentin für den Bioland e.V. zur Landwege eG geführt hat. Gemeinsam stehen sie gewissermaßen sinnbildlich für das Zusammenspiel aus Regionalität und biologisch-ökologischem Qualitätsverständnis der Genossenschaft.

„Zu unseren Partnern, seien das Hersteller oder Kunden, pflegen wir ein enges vertrauensvolles Verhältnis“, erklärt Klaus Lorenzen. Hofbesuche, ein Mitgliedermagazin oder die aus Mitgliedern bestehende „Zukunftswerkstatt“ spiegeln diese gemeinsamen Anstrengungen wieder. „Grundlegend ist natürlich die Absprache, was im Sinne einer vollwertigen regionalen Wertschöpfung möglich ist “, so der Geschäftsführer, „Das heißt Regionalität in Produktion, Verarbeitung und Vermarktung“. Aber ebenso wichtig sei es, dass sich alle mit ihren Rollen in der Zusammenarbeit identifizieren können.

Das gilt auch für die Mitarbeiter, die in der Verwaltung oder einem der mittlerweile fünf Märkte beschäftigt sind. Denn noch heute liegt für die EVG ein wichtiger Schlüssel in der Vermittlung ihres umfassenden Qualitätsverständnisses. „Unserem Personal möchten wir eine sichere und sinnstiftende Arbeitswelt bieten, verlangen aber auch die Bereitschaft zur Weiterbildung“, erklärt Tina Andres. Zurzeit beschäftige man mehr als zehn Auszubildende, vom Einzelhandelskaufmann bis hin zum Fachverkäufer Fleisch- und Wurstwaren. Arbeitsplätze bei Landwege bieten eine ökologisch-betriebliche Altersvorsorge, Kompatibilität mit der Familie und vieles mehr. „Eine Menge entscheiden sich zu bleiben“, freut sich die Bildungsexpertin.

Landwegemarkt in LübeckInsgesamt wirken in der Genossenschaft heute 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mehr als 500 Mitglieder sowie 30 ökologische Mitgliedshöfe als Zulieferer. Und auch über den genossenschaftlichen Tellerrand hinaus, engagiert sich die EVG Landwege EG. Sei es im Rahmen von Initiativen wie der Fairtrade-Stadt Lübeck, Lübeck gentechnikfrei! und Statt Auto oder in Branchenorganisationen, wie dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. Gerade aufgrund dieser weiten Vernetzung und dem über viele Jahre gewachsenen Vertrauen zu ihren Handelspartnern sind beide, was die Zukunft angeht, optimistisch: „Für uns zeigt sich, dass sich immer mehr Menschen, seien sie aus der Stadt oder vom Land, wieder auf Augenhöhe begegnen wollen.“. Im Norden heißt das, gemeinsam Landwege beschreiten.